Kommentar von Stefan Maier, Beirat bei Prior1
Die verdrängte Frage der KI: Wer verliert?
Ein Plädoyer für Ehrlichkeit und dafür, dass die Verwerfungen durch KI ein Auftrag an Unternehmen, Gesellschaft und Politik sind
Kürzlich stand ich auf einer Bühne in Köln, beim Unternehmertreffen der Gemeinwohl-Ökonomie. Ich sprach über unsere Erfahrungen mit KI, über Chancen und Verantwortung. Und dann kam diese eine Frage aus dem Publikum: „Was passiert mit den Menschen, die durch die KI-Effizienzgewinne überflüssig werden?" Diese Frage saß. Sie hat mich nicht losgelassen. Und sie ist der Grund, warum ich heute sage: „Redet endlich über die Verlierer der KI!" Denn sie trifft den wunden Punkt in der Debatte um KI und Arbeit. Sie entlarvt die oft oberflächliche Diskussion und zwingt uns, ehrlich zu sein. Eine Ehrlichkeit, die nötiger ist denn je, wenn man liest, dass ein Drittel der Unternehmen in Deutschland mit Stellenabbau rechnet (1).
KI ist kein Zukunftsthema mehr. Sie ist ein Gegenwartsphänomen, das bereits heute Entscheidungen in Unternehmen, Behörden und Redaktionen beeinflusst. Wir befinden uns in der Phase, in der die Euphorie der frühen Adopter auf die Ernüchterung der Breite trifft.