Veröffentlicht am 26.06.2020   Universitätsklinikum Regensburg

UKR-Spezialisten replantieren Finger eines Dreijährigen nach einem Rasenmäher-Unfall

Chirurgen der Plastischen, Hand- und Wiederherstellungschirurgie (PHW) des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) konnten die abgetrennten Finger eines Dreijährigen in einer mehrstündigen Operation replantieren. Der Junge hatte sich die Finger am Rasenmäher abgetrennt.

Der Großvater zieht mit dem Rasenmäher Bahn um Bahn im Garten, und Enkel Vinzenz (Name geändert) schaut ihm fasziniert zu. Das Surren und Brummen des Motors begeistert den Dreijährigen. Als der Opa den Rasenmäher kurz ausmacht, um das abgeschnittene Gras aus dem Fangbehälter zu leeren, passiert es. Vinzenz spielt an den Hebeln, die die Schnitthöhe des Mähers verändern, klemmt sich Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand ein und trennt sich diese mit den scharfen Kanten des Hebels ab. Der Mittelfinger fehlt beinahe komplett, und der Zeigefinger ist unterhalb des mittleren Fingergelenkes abgetrennt. Der Schock bei Mutter und Großvater ist groß, dennoch reagieren beide richtig, sammeln die abgetrennten Glieder ein, kühlen diese und machen sich auf den Weg ins UKR. Dort wird der Junge von PD Dr. Sebastian Geis umfassend untersucht und sofort operiert. „In diesem Fall war allerhöchste Eile geboten, um die Finger des Kindes zu retten“, erklärt der Oberarzt und stellvertretende Leiter der Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKR. „Die Schwere der Verletzung und die Tatsache, dass sich Vinzenz noch im Wachstum befindet, machten den Eingriff speziell.“ Gefäße, Sehnen und Nerven sind noch in der Entwicklungsphase. Die Heilungschancen nach dieser Verletzung stehen für Vinzenz indes gut.

„Unsere Abteilung ist auf komplexe Verletzungen an den Händen spezialisiert und dafür auch bestens ausgerüstet“, kommentiert Professor Dr. Dr. Lukas Prantl den Eingriff. „Wir können unseren Patienten nach schweren Weichteil- und Knochenverletzungen eine umfassende medizinisch-chirurgische Versorgung anbieten und damit viele Verletzungen so beheben, dass die Patienten später oft nur mit geringen oder gar keinen Einschränkungen leben müssen“, so der Leiter der Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKR.

Die Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie ist erneut durch die europäische Kommission zum Handtrauma-und Replantationszentrum erfolgreich rezertifiziert worden und das erste zugelassene Handzentrum in ganz Bayern nach dem Schwerstverletzungsartenverfahren der Berufsgenossenschaften. „Eine 24-Stunden-Notfallversorgung mit hoch qualifizierten Hand- und Plastischen Chirurgen ermöglicht eine hohe Versorgungsqualität weit über die Grenzen Ostbayerns hinaus“, ergänzt Prof. Prantl.

Höchste Präzision bei der Replantation gefragt

Wie bei fast allen medizinischen Notfällen spielte auch bei Vinzenz der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. „Hätte seine Mutter nicht so hervorragend reagiert, hätten wir Vinzenz‘ Finger vermutlich nicht retten können. Diese schnelle Reaktion hat die Heilungschancen deutlich erhöht“, sagt Prof. Prantl. Neben dem zeitlichen Faktor und der medizinischen Expertise der behandelnden Ärzte, kam dem Dreijährigen auch die Ausstattung der Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie zugute. Denn der Eingriff hätte nicht an jedem beliebigen Klinikum gemacht werden können. Die Fäden zum Verbinden der Gefäße sind dünner als ein Haar, und auch die dafür benötigten Nadeln sind mit dem bloßen Auge kaum auszumachen. Operiert wird daher mit einem speziellen Mikroskop, das es den Ärzten erlaubt, selbst dünnste Äderchen und Gefäße mit höchster Präzision zu verbinden. „Wir konnten die beiden Finger mit feinen Drähten wieder an der Hand festmachen, so dass Vinzenz bereits nach sechs Wochen beginnen kann, seine Finger zu bewegen. Wenn alles planmäßig verläuft, kann Vinzenz auch bald wieder durch den Garten toben und Fußball spielen.“

Der Dreijährige selbst hat indes keinerlei Berührungsängste mit seiner Verletzung. Selbst beim Verbandswechsel oder beim Handbad schaut er ganz genau hin und begutachtet die Nähte.

Neuss - Veröffentlicht von myconvento.com

UKR_Fingerreplantation_1_1800

Dateiname
UKR_Fingerreplantation_1_1800.jpg
Größe
364.08 KB
Beschreibung
Copyright

UKR_PM-Fingerreplantation_Kind_26_06_2020

Dateiname
UKR_PM-Fingerreplantation_Kind_26_06_2020.pdf
Größe
299.38 KB
Beschreibung
Copyright

Weiterführende Links

Spitze in der Medizin. Menschlich in der Begegnung.

Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ist ein Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe. Es bietet in 31 human- und zahnmedizinische Kliniken, Polikliniken, Instituten und Abteilungen fast das komplette medizinische Fächerspektrum an und verfügt über 839 Betten sowie 52 tagesklinische Behandlungsplätze.
Ausgerichtet ist das Universitätsklinikum Regensburg auf Hochleistungsmedizin mit besonderem Fokus auf Transplantations- und Intensivmedizin sowie onkologische und kardiovaskuläre Erkrankungen. Bei der durchschnittlichen Fallschwere („Case-Mix-Index“) liegt das UKR mit an der Spitze der deutschen Universitätsklinika. Neben der Patientenversorgung ist das UKR gemeinsam mit der Fakultät für Medizin der Universität Regensburg für die Ausbildung von ca. 2.000 Studierenden (Human- und Zahnmedizin) sowie für die medizinische Forschung verantwortlich. Gemeinsames Ziel aller Mitarbeiter sind die optimale medizinische und pflegerische Versorgung der Patienten sowie ein wertschätzendes Miteinander im Team.

Weitere Meldungen

Regensburg auf Ziel

Alle Herzinfarkt-Patienten erreichen ihren LDL-Cholesterin-Zielwert – Hohe Cholesterin-Werte sind entscheidend an Arterienablagerungen beteiligt und können Erkrankungen wie Herzinfarkt auslösen. Um das LDL-Cholesterin bei allen Risikopatienten in einen bestimmten Zielbereich zu senken, schließt sich Regensburg unter der Federführung des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) als eine der ersten Städte bundesweit der „Auf-Ziel“-Kampagne der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF® (Lipid-Liga) e.V. an.

„Ein völlig neues Leben“: Neue Hoffnung bei Lebertransplantationen

Der 4. November 2021 war der Tag, der dem jahrzehntelangen Leiden von Helmut Röder ein Ende setzte: „Endlich kam der Anruf, dass eine Spenderleber auf mich wartet.“ Der heute 58-Jährige hatte in den 70er Jahren einen schweren Verkehrsunfall, mit dessen Folgen er bis heute zu kämpfen hat. Durch eine verunreinigte Bluttransfusion infizierte er sich damals mit Hepatitis C. In der Folge wurde die Leber zirrhotisch. Nach einer ersten Lebertransplantation 2012 ging es ihm zwei Jahre gut, dann fing der Leidensweg von neuem an. Die Gallengänge waren durch eine Komplikation bei der Transplantation nachhaltig geschädigt worden. Seitdem ist der Nabburger Dauergast am UKR. Alle vier Wochen musste er stationär aufgenommen werden, um die Gallenflüssigkeit abzuleiten. Am Schluss hatte er eine Drainage. S...

Für die oben stehende Pressemitteilung sowie möglicher Mediadateien ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo rechts) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton und Informationsmaterialien. Die Convento GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die Convento GmbH gestattet.