Veröffentlicht am 22.01.2020   Initiative proDente e.V.   DE

Weisheitszähne entfernen? Auf den Einzelfall kommt es an

Wurde früher dazu geraten, auch beschwerdefreie Weisheitszähne vorsorglich zu ziehen, entfernen Zahnärzte die Weisheitszähne heute nur, wenn gesundheitliche Probleme auftreten oder abzusehen sind.

Die Weisheitszahn-OP zählt zu den häufigsten ambulanten Operationen. „Es ist bisher jedoch nicht bewiesen, dass das vorsorgliche Ziehen eines symptomfreien Weisheitszahns gesundheitliche Vorteile hat“, erklärt PD Dr. Frank Peter Strietzel von der Charité, Universitätsmedizin Berlin. „Es ist daher stets eine individuelle Entscheidung, ob Weisheitszähne im Mund verbleiben können oder ob es besser ist, sie zu entfernen.“ Zumal bei bis zu 80 Prozent der jungen Erwachsenen in Europa einzelne Weisheitszähne gar nicht aus dem Kiefer herauswachsen oder nur teilweise, ohne dabei Probleme zu verursachen. Zahnmediziner sprechen von „retinierten“, also zurückgehaltenen, Zähnen.

Weisheitszähne – operieren oder nicht?

Eine Empfehlung für den Einzelfall treffen Zahnärzte nach eingehender klinischer Untersuchung und anhand von Röntgenuntersuchungen unter Berücksichtigung der Anamnese, also der Krankengeschichte des Patienten. Sie beinhaltet unter anderem die Befragung zu möglichen Beschwerden am Weisheitszahn und deren Verlauf sowie möglicherweise vorliegende allgemeinmedizinische Besonderheiten. In einem ausführlichen Gespräch beraten Zahnärzte ihre Patienten bei Berücksichtigung aller erhobenen Befunde. Es gilt dabei stets, den zu erwartenden Nutzen des Eingriffs gegen individuelle Risiken abzuwägen. Dabei werden verschiedene Risikofaktoren berücksichtigt: zum einen solche, die eine Entfernung der Weisheitszähne erschweren können, zum anderen diejenigen beim Belassen des Weisheitszahns. Auch mögliche Komplikationen aus dem Entfernen der Weisheitszähne sowie mögliche Komplikationen aus dem Belassen der Weisheitszähne gilt es abzuwägen.

Weisheitszähne – neue Leitlinie zur OP

Verschiedene zahnmedizinische Fachgesellschaften und Institutionen haben im Sommer 2019 gemeinsam aktualisierte Leitlinien zur operativen Entfernung von Weisheitszähnen veröffentlicht. So ist die Entfernung eines Weisheitszahns z.B. nicht notwendig, wenn er sich mit kieferorthopädischer Behandlung in die Zahnreihe einfügt oder er für eine Versorgung mit Zahnersatz notwendig ist. „Besteht hingegen ein medizinischer Grund für die Entfernung von Weisheitszähnen oder ist dieser absehbar, sollte der Eingriff im Laufe der Entwicklung der Zahnwurzel erfolgen. Das bedeutet möglichst vor dem 25. Lebensjahr“, führt Strietzel aus. Denn Studien zeigen, dass es bei der Operation mit zunehmendem Alter häufiger zu Komplikationen kommt.

Weisheitszähne – in diesen Fällen sollten sie entfernt werden

In folgenden Fällen raten Zahnärzte in der Regel dazu, nicht vollständig durchgebrochene Weisheitszähne zu entfernen:

- erschwerter Durchbruch der Weisheitszähne mit Entzündungen,
- durch Karies stark zerstörte Weisheitszähne,
- nicht behandelbare Entzündung des Zahnmarks,
- wenn sie die Ursache von unklarem Gesichtsschmerz sind,
- nicht behandelbare Veränderungen nah der Zahnwurzelspitze,
- bei Zysten oder anderen krankhaften Veränderungen,
- bei Parodontitis,
- wenn sie bei Operationen im Kieferbereich stören,
- wenn sie die Behandlung eines Knochenbruchs erschweren,
- wenn Weisheitszähne zur Transplantation verwendet werden.

Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere mögliche Gründe für eine Entfernung der Weisheitszähne. Die Vor- und Nachteile des Eingriffs sind in jedem Einzelfall genau abzuwägen.

Neuss - Veröffentlicht von myconvento.com

weisheitszaehne-001-scr

Dateiname
weisheitszaehne-001-scr.jpg
Größe
378.61 KB
Beschreibung
Copyright

Weiterführende Links

Weitere Meldungen

Kauen ist der Schlüssel für gesundes Altern

Ältere Menschen behalten immer mehr eigene Zähne. Und jeder Zahn zählt. Denn die Fähigkeit zu kauen beeinflusst Gesundheit, Fitness und Selbstständigkeit positiv bis ins hohe Alter. „Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit! “ So lautet das Motto des Tags der Zahngesundheit am 25. September 2026. Warum? Kauen ist für viele eine zumeist unbeachtete Funktion. Doch wer bewusst und gut kaut, isst ausgewogener, bleibt leistungsfähig und erhält länger seine Selbstständigkeit. „Wir reden viel über Muskeltraining im Alter, vergessen dabei aber einen der stärksten Muskelapparate unseres Körpers: das Kausystem“, erklärt Prof. Anne Wolowski, Expertin für Prothetik und Funktion an der Universität Münster. „Wer seine Kaufähigkeit verliert, büßt Lebensqualität und Teilhabe ein.“ Gut kauen. Länger fi...

Zuschüsse sinken - Vorsorge wird wichtiger

Der Bundestag hat im Juli 2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 sinkt der Festzuschuss der gesetzlichen Krankenversicherung für Zahnersatz von 60 auf 50 Prozent der Regelversorgung. Für Millionen Versicherte bedeutet das: Kronen, Brücken und Prothesen werden spürbar teurer. Wer sich noch 2026 behandeln lässt, sichert sich die aktuellen, höheren Zuschüsse. Auch die Bonusregelung für Versicherte mit lückenlosem Vorsorge-Nachweis sinkt um zehn Prozentpunkte. Die Folge: höhere Eigenanteile – selbst bei medizinisch notwendiger Standardversorgung. Ein Beispiel: Für eine Metallbrücke als Regelversorgung zahlt die Krankenkasse 2026 rund 553 Euro Zuschuss. Ab 2027 sind es nur noch etwa 461 Euro. Wer sich für keramischen Zahnersatz oder ein Implantat en...

Content mit Nebenwirkungen

Zahngesundheit wird viral. Erfolgreiche Dentfluencer schaffen Aufmerksamkeit und vermitteln Wissen. Das bietet Chancen für gute Aufklärung, birgt aber auch Gefahren: Mythen und Fake News rund um Zahnpflege halten sich hartnäckig. Dazu gehören vermeintlich „natürliche“ Alternativen wie Ölziehen, aggressives DIY-Whitening mit Aktivkohle, Zitrone oder Backpulver sowie widerlegte Fluorid-Mythen. Auch kosmetische Schnelllösungen wie DIY-Zahnkorrekturen oder unkritisch beworbene Veneers werden in sozialen Netzwerken oft verharmlost. Fluorid ist toxisch – euer Ernst? Zahnmedizinische Themen passen perfekt zu Social Media. Zähne betreffen jeden: schöner, gesünder, weißer – das wollen alle. Zahnthemen sind sichtbar, emotional und sofort bewertbar. Vorher-Nachher funktioniert, Algorithmen l...

Für die oben stehende Pressemitteilung sowie möglicher Mediadateien ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo rechts) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber des Pressetextes, sowie der angehängten Bild-, Ton und Informationsmaterialien. Die Convento GmbH übernimmt keine Haftung für die Korrektheit oder Vollständigkeit der dargestellten Meldung. Auch bei Übertragungsfehlern oder anderen Störungen haftet sie nur im Fall von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Nutzung von hier archivierten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Eine systematische Speicherung dieser Daten sowie die Verwendung auch von Teilen dieses Datenbankwerks sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch die Convento GmbH gestattet.